Weitwinkel und Teleobjektiv

Tele dividiert durch Weitwinkel ergibt den so genannten Zoom, den Faktor, den man von den Kompaktkameras kennt. Der maximale Weitwinkel meines WW-Objektivs ist 10mm der meines Teleobjektivs 400mm - ergibt einen Zoom von 40-fach. Toll - werden Besitzer einer Kompaktkamera sagen, die maximal auf 18 kommen. Doch dafür muss ich als Besitzer einer Spiegelreflexkamera auch mindestens drei Objektive mit mir herumschleppen und nach Gegebenheit wechseln, während ich bei der Superzoomkamera nur einen Knopf bewegen muss.

Die meisten Motive finden sind jedoch im Normalbereich so etwa zwischen 25 und 70mm. Ich persönlich bin eher der weitwinklige Typ. Obwohl das menschliche Auge im Abbildungsmaßstab in etwa das sieht, was wir mit der Kamera mit einem 50mm - Objektiv erfassen, sehen wir doch einen viel größeren Ausschnitt. Ein Weitwinkel erfasst einen großen Landschaftsausschnitt, allerdings nicht nur in der Breite sondern auch in der Höhe. Bei der Bildgestaltung muss man also sehr viel mehr darauf achten, nicht zuviel uninteressantes Beiwerk mit auf das Foto zu bekommen. Sei es langweiliger Acker im Vordergrund oder einheitlich gefärbter Himmel. Auch andere störende Elemente wie Autos, Schilder oder Überlandleitungen kommen schnell ins Bild. Aber der Weitwinkel hat enorme Vorteile. Man braucht zum Fotografieren sehr wenig Licht, kann mit kleiner Blende sehr scharfe Fotos schießen. Die Verzerrung ist bei Weitwinkeln enorm. Das kann z. B. bei Aufnahmen mit schönem wolkigem Himmel oder mit dramatischen Gewitterwolken enorme Wirkung erzielen. Auch wenn ich im Vordergrund ein Objekt habe , z. B. einen Stein, und sehr dich an Ihm mein Motiv entwickle, wirkt er enorm groß im Gegensatz zu der im Hintergrund verschwindenden Umgebung.

Problematischer ist der Weitwinkel bei Architekturaufnahmen. Zum Beispiel bei einer Kirche, die ich fotografieren möchte, aber die Entfernung nicht weiter vergrößern kann, weil entweder die Kirche dann hinter anderen Gebäuden verschwinden würde oder zu viele störende Elemente mit ins Bild gelangen würden. Je näher ich der Kirche mit meinem Weitwinkel zu leibe rücke, desto stärker wirken sich die "stürzenden Linien" aus. Die äußeren Begrenzungslinien der Kirche werden immer weiter nach innen gebogen. Das kann man als "gewollt" hinnehmen oder mit Bildbearbeitungsprogrammen teilweise korrigieren. Aber eben nur teilweise. Wichtig ist bei solchen Aufnahmen die Kamera waagerecht zu halten um die Verzerrungen zu minimieren.

Wenn ich aber freies "Schussfeld" habe kann ich mir die Kirche aus weiter Entfernung mit dem Teleobjektiv heranholen. Aber ich brauche deutlich mehr Licht, ein Stativ wird meist unausweichlich, insbesondere wenn ich die Aufnahme auch noch mit einer kleinen Blende mein Motiv scharf abbilden will. Aber ich kann gezielter einen bestimmten Ausschnitt ins Visier nehmen, ihn aus der Masse hervorheben. In der Literatur würde man sagen einen Kontext erzeugen. Man kann auch in der näheren Umgebung mit einem Teleobjektiv interessante Motive finden. Denn man kann Objekte im Vordergrund sehr schön" freistellen". Das bedeutet das das Motiv im Vordergrund richtig scharf abgebildet wird und der Hintergrund verwaschen oder gänzlich einfarbig wirkt, besonders wenn ich gleichzeitig mit großer Blende fotografiere. Das bringt das Motiv richtig zur Wirkung und erzeugt auch Dimensionen im Bild.